Freigabe der Jukos-Konten widerrufen

publiziert: Donnerstag, 5. Aug 2004 / 18:26 Uhr

Moskau - Zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen hat die russische Justiz Anordnungen im Fall des Ölkonzerns Jukos widerrufen müssen und damit die Anleger weiter verunsichert.

Man werde alle Einzahlungen auf Jukos-Konten zur Tilgung der Steuerschuld beschlagnahmen.
Man werde alle Einzahlungen auf Jukos-Konten zur Tilgung der Steuerschuld beschlagnahmen.
Die Behörden machten eine am Vorabend erteilte teilweise Freigabe von Jukos-Konten rückgängig. Damit rückt eine künstlich herbeigeführte Insolvenz näher, da dem zu Steuernachzahlungen in Milliardenhöhe verurteilten Konzern die Barmittel für laufende Geschäfte fehlen.

Die Justiz zog ihre Anordnung vom Vortag zurück. Die von Jukos erhaltene Erläuterung einer Gerichtsvollzieherin entspricht nicht den Gesetzesnormen und wird deshalb für nichtig erklärt, zitierte die Agentur Interfax eine Erklärung des Justizministeriums. Die Gerichtsvollzieherin habe inkorrekte Anweisungen gegeben, hiess es.

Die Behörden teilten ausserdem mit, bis zum Donnerstag sei ein Fünftel der Steuernachforderungen in Höhe von umgerechnet 4,3 Mrd. Franken für das Jahr 2000 eingetrieben worden. Man werde weiterhin alle Einzahlungen auf Jukos-Konten zur Tilgung der Steuerschuld beschlagnahmen.

Nach einem steilen Kursanstieg bis zum frühen Nachmittag fielen die Jukos-Werte als Reaktion auf die Justizmitteilung wieder unter den Vortages-Schlusskurs von 4,35 Dollar. Die Aktie kostete kurz vor Börsenschluss im Moskauer RTS-Interfax-Index 4,25 Dollar.

Die Ungewissheit um das Schicksal des nach Fördermenge 2003 grössten russischen Ölkonzerns führte zuletzt auch zu Preisanstiegen auf dem internationalen Ölmarkt. Nach Einschätzung von Analysten sind die vom Justizministerium beauftragten Gerichtsvollzieher mit dem Verfahren gegen den Grosskonzern Jukos mit 120 000 Mitarbeitern überfordert.

Manche Marktbeobachter vermuten hinter dem Justizchaos auch die Interessen von Börsenspekulanten, die sich den stark volatilen Kurs der Jukos-Aktie zunutze machen.

(bert/sda)

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